796 Spangenbarren gebündelt und vergraben – Aktuelle Forschungsergebnisse zum Spangenbarrenhort von Oberding, Lkr. Erding (Oberbayern)

In Oberding wurde im April 2014 bei einer bauvorgreifenden Ausgrabung im Kontext mehrerer frühbronzezeitlicher Grubenbefunde, die mit 796 Kupferbarren bislang größte Deponierung von Spangenbarren entdeckt und in zwei Blockbergungen gehoben.

Damit ist der Hort von Oberding einer der wenigen während einer regulären Ausgrabung entdeckten Spangenbarrenhorte, der zudem im Kontext einer frühbronzezeitlichen Siedlung zu stehen scheint.

Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen der Stadt Erding, dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege München, der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie weiterer Partner wird der gesamte Fundkomplex seit Mai 2015 archäologisch und naturwissenschaftlich erforscht.

Die Spangenbarren waren – zu handlichen 10er- Bündeln geschnürt – in acht größeren Gruppen in einer separaten Nische niedergelegt worden. Dies belegen Reste von Baumbast an den Barren sowie computertomographische Aufnahmen der Anordnung der Barren im Inneren der Blockbergungen. Das Rohkupfer der Barren stammt mindestens von zwei Lagerstätten: Zum einen von ostalpinen Kupferlagerstätten (Mitterberger Region) als auch dem slowakischen Raum bzw. dem Inntal in Österreich. Barren beider Kupfersorten kommen in sämtlichen Zehnerbündeln unterschiedlich gemischt vor.

Die Keramik kann mit einigen Formen der Keramikgruppe Sengkofen/Jellenkofen zugewiesen werden, manche Stücke weisen aber auch in Richtung Vĕteřov- Böheimkirchen und Maďarovce-Kultur.

Sowohl die Spangenbarren von Typ Bermatingen, das Rohkupfer aus der Mitterberger Region, charakteristische Keramikformen als auch 14C-Daten ordnen den gesamten Fundkomplex in die ausgehende Frühbronzezeit bzw. beginnende Mittelbronzezeit (1750 bis 1650 v. Chr.) ein.

Als Bindeglied zwischen der Früh- und Mittelbronzezeit reflektieren der Hort von Oberding und seine Begleitfunde komplexen Austauschbeziehungen, bei denen Kupfer eine entscheidende Rolle zukam.

Die Spangenbarren könnten innerhalb des Gütertransfers durchaus als eine Art prämonetäres Zahlungsmittel bzw. als genormter Gegenwert bei Tauschgeschäften gedient haben und blieben bis in die frühe Mittelbronzezeit in Gebrauch.

Sabrina Kutscher M.A.
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