Innovation und Tradition als Mittel zur Selbstdarstellung – Das Grabmonument von Hüsby LA 23, Kr. Schleswig-Flensburg

Der älterbronzezeitliche Grabhügel von Hüsby LA 23 bei Schleswig enthält nicht nur eines der reichsten Gräber der Periode II in SH sondern zeigt auch die Komplexität von Einflüssen, die sich bei Bestattungen und der Anlage von Grabmonumenten nachweisen lassen. Bestattungen haben immer eine Agenda, die sich an die Hinterbliebenen der eigenen Familie und ganz wesentlich auch an die umgebende Gemeinschaft richtet. Totenbrauchtum und Totenritual werden dabei ganz gezielt für die Selbstdarstellung des Toten und seiner Familie genutzt. In Hüsby zeichnet sich in den Funden und Befunden ab, wie diese Selbstdarstellung organisiert und durchgeführt wurde. Gleichzeitig wird auch deutlich, dass es sich um langfristige Strategien, mit sorgfältiger Planung und Durchführung gehandelt hat. Inwieweit es sich bei Hüsby um einen Sonderfall handelt, lässt sich nur schwer einschätzen. Neuere Grabungen wie in Skelhøj bei Tobøll in Jütland zeigen, dass es weitere Beispiele für derartige Grabmonumente gibt.

Der Grabhügel an sich steht durchaus in der Tradition der südskandinavischen älteren Bronzezeit. Dies gilt sowohl für den Bau des Grabes mit Nasskern und Baumsarg bzw. Grabkammer als auch für die Beigaben mit Goldschmuck und Waffenausstattung. Es sind hier die Details, die von der Norm abweichen. Außerhalb der regionalen Tradition stehen eindeutig die Holzkonstruktionen im direkten Umfeld des Grabhügels: der Pfostenkreis um den Hügelfuß, das kleine Gebäude sowie die Zuwegung. Der Sinn zeigt sich erst bei einer genauen Analyse der Abläufe im Zusammenhang mit den Beisetzungen und den im Zusammenhang stehenden Handlungen. Neben der Verpflichtung einen Toten ordnungsgemäß zu bestatten, haben die Beteiligten ganz offensichtlich weitergehende Ziele verfolgt. Diese richten sich auf die Veränderung des sozialen Status der Familie und auf weitergehende religiöse Aspekte  wie die Ahnenverehrung. In der Anlage treffen traditionelle auf innovative Konzepte und dies in einem Raum, der am Rand des nordischen Kreises liegt. Es zeigen sich regionale Besonderheiten im Vergleich zu den dänischen Inseln aber auch individuelle Abweichungen, die durch die Agenda der Erbauer der Anlage bestimmt wurden.

Dr. Mechtild Freudenberg
Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf
Schlossinsel 1
24837 Schleswig
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