Altes und Neues, Traditionen und Neuerungen – Veränderungen im Bestattungsverhalten und in den gesellschaftlichen Strukturen des Endneolithikums bis zur Mittelbronzezeit in Südbayern

Nach einer längeren Phase ohne nachweisbare Bestattungen des Spätneolithikums in Südbayern liegen uns seit Beginn der Schnurkeramik bis zur angehenden Latènezeit durchlaufend Evidenzen für ein regelhaftes Bestattungsverhalten vor, welches sich uns heute über Gräber zu erkennen gibt. Der Vortrag soll einen Teil dieses Zeitabschnitts näher beleuchten, sprich das Endneolithikum bis hin zur beginnenden Mittelbronzezeit.

Sowohl die Individuen des Endneolithikums als auch jene der Frühbronzezeit zeichnen sich durch Hockerlagen in den Gräbern aus. Diese sind geschlechtsdifferenziert niedergelegt worden und unterstreichen somit die biologisch bestimmte Zuweisung, wohingegen die mittelbronzezeitlichen Gräber diese knapp 1200 Jahre andauernde Tradition aufzubrechen scheinen. Auch die Organisation der Gräberfelder ist hiervon betroffen. Hierbei sind vor allem soziale und chronologische Entwicklungen näher zu beleuchten.

Nicht nur die Bestattungssitten, sondern auch die Repräsentation der Toten im Grab – u.a. demonstriert durch bestimmte Beigabenaustattungen – unterliegt einer stetigen Veränderung, wobei es zu untersuchen gilt, wann welche Kontinuitäten und Brüche am deutlichsten zu Tage treten.

Ergänzend können bioarchäologische Aspekte Auskünfte über einzelne soziale Verhaltensmuster geben. Hierbei spielen die aus dem Lechtal und weiteren Kleinregionen gewonnenen naturwissenschaftlichen Ergebnisse (DNA, isotopische Analysen, Metallanalysen etc.) eine entscheidende Rolle.

 

Dr. Ken Massy
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und
Provinzialrömische Archäologie
Geschwister-Scholl-Platz 1
80539 München
ken.massy@vfpa.fak12.uni-muenchen.de