Aridifizierung und die Transformation der sozioökonomischen Beziehungen. Resilienz und Innovation im Übergang vom Chalkolithikum zur Bronzezeit auf der südlichen Iberischen Halbinsel

Die Untersuchung von Transformation, Resilienz und der Einfluss von abrupten Umweltveränderungen und klimatischem Wandel sind Kernherausforderungen an die Archäologie des 21. Jahrhunderts (Kintigh et al. 2014). Um sich diesen Themenfeldern zu nähern, untersuchen wir im Rahmen des F1-Projekts des SFB 1266 ‚Scales of Transformation‘ das 4,2 ka BP-Ereignis im westlichen Mittelmeerraum und seinen Einfluss auf die Transformation von Gesellschaften im Zuge des bedeutenden kulturellen Übergang vom Neolithikum/Chalkolithikum zur Bronzezeit.

Dabei stehen lokaler Zeitpunkt und Ausmaß der klimatischen Schwankungen während des Ereignisses sowie die Intensität und der Charakter des gesellschaftlichen Wandels im Vordergrund, welcher durch Quantifizierung der archäologischen Daten abgeschätzt werden soll. Ziel ist es, beide Proxies zu korrelieren und zu testen, ob und inwieweit das Klima Entwicklungen im menschlichen Bereich ausgelöst und beeinflusst haben könnte.

Geochemische Analysen von langkettigen n-Alkanen und Alkenonen aus einem marinen Sedimentarchiv (ODP-161-976A) aus dem Alboran Meer werden hierbei als Niederschlagsproxy herangezogen, um Veränderungen in klimatischen und marinen Regime zu untersuchen. Diese Zeitreihen werden mit einer Schätzung der demographischen Entwicklung in Beziehung gesetzt, die wir mit Hilfe von summierten 14C-Daten und Aoristik erhalten.

Unsere jüngsten Ergebnisse deuten darauf hin, dass zwei prominente Trockenperioden um 4,0 ka BP und 4,25 ka BP durch feuchtere Bedingungen unterbrochen wurden. Darüber hinaus fanden wir einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Niederschläge und der demographischen Indikatoren. Es zeigt sich auch, dass sich die Siedlungsstrukturen im Zuge der Klimaveränderung verändert haben, und dass von einer unterbrochenen, in Phasen verlaufenden Verschiebung der Siedlungsschwerpunkte in Richtung Osten zu rechnen ist. Diese Phasen lassen sich gut mit den klimatischen Phasen in Zusammenhang bringen, und lassen sich auf Grundlage einer vorläufigen Niederschlagsrekonstruktion als eine Folge von Ausweichstrategien und von Innovationen auf dem Gebiet der sozialen Organisation und in der Subsistenzwirtschaft deuten. Diese Veränderungen dürften vor allem in einer Zentralisierung von Organisationsstrukturen und Kontrolle bestanden haben, neben landwirtschaftlich-technischen Innovationen.

Eine feinere zeitliche Auflösung ist weiterhin sowohl für die klimatologischen und archäologischen Quellen wünschenswert. Dennoch ergeben sich bereits jetzt neue Perspektiven auf die Hypothese der frühen Staatlichkeit auf der iberischen Halbinsel, wenn veränderte Umweltbedingungen bei der Ausdeutung des sozialen Wandels im Übergang zum El-Argar-Phänomen als möglicher Treiber berücksichtig wird.

 

Julien Schirrmacher
Dr. Martin Hinz
Dr. Jutta Kneisel
Dr. Christoph Rinne
PD Dr. Mara Weinelt
SFB1266
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