Eine Geschichte voller Widersprüche – Überlegungen zum Aufkommen der Zinn-Bronze-Metallurgie in Europa

Neue Forschungen machen es immer wahrscheinlicher, dass im 2. Jahrtausend v. Chr., nicht die Zinnquellen des Vorderen Orients, sondern jene in West- und Mitteleuropa den europäischen Kontinent mit Zinn versorgten. Es erscheint daher notwendig, Eckpfeiler früherer Modelle bronzezeitlicher Austauschnetzwerke für Rohmaterialien gerade bezogen auf die frühe und mittlere Bronzezeit zu überarbeiten. Dies ist nicht zuletzt deshalb sehr spannend, da wir in vielen Großregionen nur wenig über die Ausprägung solcher Netzwerke, ihre Organisation und der beteiligten Akteure wissen.

Im Vortrag wird sich daher hauptsächlich mit der unterschiedlichen Reaktionsfreudigkeit einzelner Kulturgruppen auf die aufkommende Zinnbronzemetallurgie zwischen Westeuropa und dem ägäischen Raum auseinander gesetzt. Dabei werden sowohl neue naturwissenschaftliche Untersuchungen, als auch die Kernparameter der archäologischen Modellbildung ausgewertet und einer kritischen Prüfung unterzogen. Fokussiert wird besonders auf die kulturellen Gegebenheiten in Zentral- und Südosteuropa, welche nicht zuletzt im Hinblick auf den Austausch von Rohmaterialien und der metallurgischen Entwicklung in der zweiten Hälfte des 3. und der ersten Hälfte des 2. Jahrtausends v. Chr. miteinander verglichen werden sollen. Die Untersuchung gibt deutliche Hinweise auf eine Neuorientierung verschiedener großräumiger Austauschnetzwerke an der Wende der Jahrtausende, welche zu einer Neubewertung gleich mehrerer Forschungsnarrative führen.

Dr. Bianka Nessel
Institut für Geowissenschaften
Im Neuenheimer Feld 236
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
69120 Heidelberg
bianka.nessel@geow.uni-heidelberg.de

 

und

 

Institut für Ur- und Frühgeschichte und
Vorderasiatische Archäologie
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Sandgasse 7
69117 Heidelberg