Eine lange Geschichte – Der wikingerzeitliche Silberschatz von Morsum, Sylt (Kr. Nordfriesland)

Bereits aus dem Jahr 1960  ist von der Nösse-Halbinsel bei Morsum auf Sylt ein geflochtener wikingerzeitlicher Silberarmring bekannt, der bislang als nicht näher einzuordnender Einzelfund nur schwer in einen klaren Kontext zu stellen war. Im Jahr 2015 wurde dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein eine außerordentlich reich verzierte Ringfibel aus Privatbesitz – ebenfalls aus Morsum – bekannt, so dass unbedingter Bedarf für eine intensive Nachsuche bestand. Durch den Einsatz von Metalldetektoren konnte die Fundstelle im Sommer 2017 exakt lokalisiert und auf einem Areal von etwa 50 Quadratmetern insgesamt ca. 170 Silberfunde geborgen werden (Armringe, Fingerringe, ein Halsring, Münzen, Barren, Schmelzreste, Drähte etc.). Das Fundensemble kann in die Mitte des 10. Jahrhunderts n. Chr. datiert werden. Es gehört zu einer großen Gruppe wikingerzeitlicher Edelmetalldepots, die sowohl aus Schleswig-Holstein, aber auch weit darüber hinaus bekannt sind. Edelmetalldepots waren in der Wikingerzeit ein sehr häufiges und ein weit verbreitetes Phänomen, das sich rund um die Ostsee und auf den Britischen Inseln mit besonderer Dichte zeigt. Der Sylter Schatzfund repräsentiert allerdings einen zeitlich relativ jungen Horizont, der noch in einen konkreten historischen Zusammenhang gestellt werden muss.

Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim
Archäologisches Landesmuseum, Schloß Gottorf
24837 Schleswig