Die Sonderbestattungen auf der spätbronzezeitlichen Höhensiedlung auf der Kuckenburg bei Esperstedt

Die Fundstelle Kuckenburg befindet sich auf einen Muschelkalksporn, der  von dem Fluss Weida umflossen und Kranzberg genannt wird. Er befindet sich nordöstlich des Ortes Kuckenburg, innerhalb der Gemarkung Esperstedt, ca. 5km von Querfurt entfernt. Der Fundplatz befindet sich in einer Höhe von etwa 185m über NN. Das Grundsubstrat besteht aus einem Schwarzerdeboden, der dem anstehenden Löß aufgelagert ist.
Die Kuckenburg ist bereits seit 1902 als vor- und frühgeschichtlicher Fundplatz bekannt. So konnten neben einen spätbronzezeitlichen Hortfund auch die Überreste einer vor- und frühgeschichtlichen Wallburg beobachtet werden. Zudem ist der Fundplatz unter dem Namen „Cucunburc“ im Hersfelder Zehntregister als Burgwart und in den folgenden Jahrhunderten wiederholt als Hof belegt. Überreste dieser Anlage konnten in Form von Trocken- und Mörtelmauern von Förtsch noch um 1900 auf dem Bergsporn beobachtet werden (Förtsch, Depotfund der jüngeren Bronzezeit vom Kranzberge bei Kuckenburg, Kreis Querfurt. Jahresschrift für die Vorgeschichte der sächsisch-thüringischen Länder 3, 1904, 33 – 42.).
Seit 2009 wird wird die Höhensiedlung in einem gemeinsamen Projekt der FSU Jena und des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt untersucht. Dabei ist es gelungen, neben der historisch bezeugten mittelalterlichen Burganlage, auch Befestigungen der Salzmünder Kultur sowie der späten Bronzezeit aufzudecken. Gerade die spätbronzezeitliche Anlage nimmt eine besondere Rolle innerhalb der Forschungen ein, da es hier nicht nur gelungen ist einen Graben zu untersuchen, auf dessen Sohle Deponierungen von Tierknochen, Keramik sowie zerhackten menschlichen Überresten angetroffen wurden, sondern auch eine große Zahl an Bestattungen in Siedlungsgruben. Die nähere Untersuchung der Skelettreste, die in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte sowie der Rechtsmedizin und Neuropathologie des Universitätsklinikums in Jena erfolgt, erbrachte eine ungewöhnlich Hohe Anzahl an Verletzungen und Krankheiten der hier bestatteten Individuen. Darunter befinden sich Kinder mit Hydrocephalie, Personen mit spina bifida und eine große Anzahl von Skeletten mit Manipulationen an den Schädeln. Somit nimmt die Kuckenburg eine besondere Rolle innerhalb der späten Bronzezeit ein, da nicht nur weiterhin Körperbestattungen durchgeführt wurden, sondern innerhalb der Höhensiedlung eine selektierte Gruppe von kranken und behinderten Personen niedergelegt wurden. Dieses Phänomen versuchen wir innerhalb unseres Forschungsprojektes näher zu untersuchen.

Dr. des. Enrico Paust 
Prof. Dr. Peter Ettel
Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte mit Sammlung UFG 
Seminar Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie 
Institut für Orientalistik, Indogermanistik, 
Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie 
Philosophische Fakultät 
Friedrich-Schiller-Universität Jena 
Löbdergraben 24a, 07743 Jena 
Tel.: 03641 / 9-44899
enrico.paust@uni-jena.de